Tiergestützte Therapie
Bitte beachten Sie: Der therapeutische Einsatz eines Hundes ist in unserem Praxisalltag sehr selten geworden. Dies hat zum einen mit dem Alter und der Lebenssituation der Hunde und zum anderen mit der Entwicklung unseres therapeutischen Wirkens zu tun.
Der folgende Text stammt aus dem Jahre 2004/2005. Er wird sehr häufig aufgerufen und oft auch zitiert. Wir haben uns daher entschlossen, ihn unverändert weiterhin zur Verfügung zu stellen.
Die Beziehung von Mensch zu Tier
Vor ungefähr 15000 Jahren, wird es eine Frau gewesen sein, die einen oder mehrere Wolfswelpen zu sich nahm und sie mit ihrer Milch ernährte und sie somit zähmte, sie auf sich prägte. Vielleicht, so der weltberühmte Wolfsforscher Erik Zimen, „weil sie zuviel Milch hatte, vielleicht weil sie Mitleid hatte oder Zärtlichkeit fühlte für die kleinen, hilflosen Wesen, die sie auf einmal im Arm hielt, ohne auch nur zu ahnen, welche Revolution in der Geschichte der Menschheit sie in diesem Moment auslöste“. Der Wolf – aus dem sich später der Hund entwickelte – ist das erste Haustier des Menschen, er steht am Beginn einer Wende in der Menschheitsgeschichte, der Wende vom „Jäger und Sammler“ zum „Ackerbauer und Viehzüchter“, denn dem Wolf folgten Pferde, Rinder, Vögel und Schweine.
Am Anfang der Jahrtausende währenden gemeinsamen Entwicklung (Koevolution) von Mensch und Wolf bzw. Hund stand nicht etwa der wirtschaftliche Nutzen, der sich erst viele Generationen später herauskristallisierte, sondern ein psychologisches Moment: die Tier-Mensch-Bindung (human animal bond). Heute, im Zeitalter von Industrialisierung und Raumfahrt, haben wir durch wissenschaftliche Untersuchungen (neu) festgestellt, dass sich das Zusammensein mit Tieren positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit von Menschen auswirkt.
Die gezielte Nutzung der Wirkung von Tieren auf den Menschen im Rahmen eines dokumentierten und evaluierten Behandlungsprozesses durch einen Heilberufler bezeichnet man als Tiergestützte Therapie (Animal Assisted Therapy).
THERAPIE MIT HUNDEN
Im Rahmen tiergestützter Therapie können grundsätzlich viele verschiedene Tierarten zum Einsatz kommen, Haustiere ebenso wie Wildtiere. Vielfach eingesetzt werden Pferde und weitaus am häufigsten Hunde (nicht etwa Delphine über deren therapeutischen Einsatz viel berichtet worden ist).
Hunde eignen sich auf besondere Weise für den therapeutischen Einsatz: Sie sind diejenigen Tiere, die das menschliche Ausdrucksverhalten am besten verstehen, deutlich besser als beispielsweise unsere „nächsten Verwandten“, die Schimpansen.

Die Kommunikationsfähigkeit zwischen Mensch und Hund ist sehr hoch. Dabei „lügen“ Hunde nicht, sie verstellen sich nicht (die wenigen Ausnahmen sind vom erfahrenen Menschen schnell zu durchschauen), sondern sie drücken unmittelbar aus, was sie empfinden. Sie kommunizieren aufrichtig und einfühlsam. Sie sind spontan, neugierig, optimistisch und ausdauernd. Sie haben ähnliche soziale Bedürfnisse wie Menschen und sie wirken – das haben Untersuchungen gezeigt – im entspannten, nicht-aufgeregten Normalzustand bereits allein durch ihre Anwesenheit beruhigend auf den Menschen.
Unsere Hunde
Als Therapiehunde werden vielfach solche Hunde bezeichnet, die sich von jedem streicheln lassen und niemandem etwas tun und die womöglich sogar mit jedem mitgehen. Auch wir haben eine solche Hündin. Sie heißt „Blue“ und wir mögen sie sehr. Sie ist im April 2000 geboren und wird von Kindern, insbesondere von Mädchen meist sehr gemocht und als „süß“ bezeichnet. Sie spielt gern mit einem Ball und jagt ihm unermüdlich nach, sie ist dabei sehr schnell und sehr wendig. Wer bereit ist, ihr einen Ball zu werfen ist schnell ihr Freund. Blue ist mit 38 cm Widerristhöhe und 10 kg Gewicht ein kleiner Hund. Sie ist verschmust und läßt sich gerne auf den Schoß nehmen.
Für Therapie auf ganz andere und besondere Weise geeignet sind unsere Saarloos-Wolfhündinnen „Evita Hunter of the North“ und „Nekuda Lúcas du Bois“.

Saarloos-Wolfhunde werden besonders von Kindern sofort als Wolf erkannt: kräftige, harmonisch gewachsene, stockhaarige Hunde, hochbeinig wirkend in Farbe wechselnd von „wolfsgrau“ und „waldbraun“ bis fast weiß. Auch Gangart und Charakter widerspiegeln den Wolf. Der Saarloos Wolfhund ist ein aufmerksamer, vorsichtiger Hund, sehr treu der Familie ergeben in der er lebt, zurückhaltend gegenüber Fremden und ihm fremden Umständen, nach Unabhängigkeit strebend und zum Eigensinn neigend. Er ist ein guter Jäger, Kletterer, Läufer – gewissermaßen ein Zehnkämpfer unter den Hunden. Als Schutzhund ist der Saarloos eher ungeeignet, da der Aggressionstrieb zu schwach ausgebildet ist und vom Fluchttrieb dominiert wird. Ein Saarloos schützt sich zu allererst selbst.

Evita ist im April 1998 geboren und gilt mit offiziell 70 cm Widerristhöhe als großer Hund. In jungen Jahren hatte sie eine kurze Karriere als Fernsehhund in einer französischen Produktion von Rotkäppchen und der Wolf. Sie hat ein ruhiges, sicheres und freies Wesen. Menschen, die ihr erstmals begegnen, zeigen sich von ihrem Erscheinungsbild häufig beeindruckt und bezeichnen sie als „imposant“, „schön“ und „edel“. Evita meidet Menschen, die ihr nicht geheuer sind. Solchen, die sie bedrängen oder die ihr einen Kontakt aufnötigen wollen, aber auch jenen, die Angst vor ihr haben, weicht sie in der Regel aus. Angemessene Kontaktangebote nimmt sie aber gerne auf. Sie zeigt auch Geduld mit jenen die sich ihr auf ungeschickte Weise nähern oder nicht spüren, wann es genug ist. Wann immer es ihr zuviel wird, geht sie einfach weg.

Nekuda ist im März 2004 geboren und somit noch ein junger Hund. Sie zeigt wenig Scheu, große Neugier und gutes Sozialverhalten.
Sie ist sehr wach und gelehrig, wenngleich eigensinnig bis frech. Sie hat von der ausdauernden und liebevollen Erziehung durch Evita sehr profitiert und hatte im Alter von 14 Wochen ihren ersten therapeutischen Einsatz mit einem 14jährigen Mädchen.
HUNDETHERAPIE BEI UNS
Die Geschichte der Tiergestützen Therapie ist noch recht jung und es gibt vergleichsweise wenige wissenschaftliche Untersuchungen und erst zaghafte theoretische Erklärungsmodelle. Erst im Jahr 2000 erschien im englischsprachigen Raum das erste umfassende Fachbuch zum Thema (Fine, A.: Handbook on Animal Assisted Therapy, San Diego: Academic Press).

Unsere eigene Geschichte mit tiergestützter Therapie beginnt mit Blue, die oft tröstend, erheiternd oder ermutigend auf uns gewirkt hat – eine erste Erfahrung dessen, was in der Fachliteratur als die Wirkung des Hundes als „Katalysator für Menschliche Emotionen“ bezeichnet wird. Evita, erfahrene "Alpha-Wölfin" eines Rudels, die wir als bereits erwachsene Hündin zu uns genommen hatten, ließ uns dann völlig neue Dimensionen einer Tier-Mensch-Beziehungserfahrung entdecken. Stets bemüht um Harmonie und Kontakt führt sie jeweils ein ausgiebiges Joining durch, wenn ein Familien- bzw. Rudelmitglied heimkehrt, läuft mit einer Mischung aus Heulen und Brummen von einem zum anderen und stellt Kontakt zwischen allen her. Dieses Tier schien oftmals wirklich zu „wissen“, was wir gerade empfinden und brauchen, erscheint irgendwie immer im richtigen Moment. Sie war zwar für die tiergestützte Therapie vorgesehen, als Therapiehund eingesetzt hat sie sich schließlich aber selbst, indem sie durch ihre bloße Anwesenheit während der psychotherapeutischen Sitzung erstaunliche Wirkungen auslöste. Ängstliche Kinder verloren ihre Scheu, abweisende Jugendliche weichten ihre Haltung auf, niedergeschlagene und verzweifelte Erwachsene gewannen Zuversicht. Es ist immer wieder interessant und beeindruckend zu beobachten, wie sensibel Evita den Stimmungen und Vorbehalten der Patienten begegnet.
Nach all dem lag es nahe, später auch Blue gezielt als Therapiehund einzusetzen und mit Nekuda für Nachwuchs zu sorgen. Inzwischen wird vor allem Evita nachgefragt und hat schon so manchen erfolgreichen Einsatz hinter sich.
INDIKATIONEN

Depressionen
Ängste
Hundephobie
Entwicklungsstörungen (z. B. Autismus)
Emotionale u. Verhaltensstörungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
(z. B. hyperkinetische Störungen, Störungen des Sozialverhaltens, Soziale Ängste, Mutismus,Bindungsstörungen)

Kosten
Die Kosten für Tiergestützte Therapie werden in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen und müssen daher vom Patienten selbst getragen werden. Nehmen Sie Kontakt auf - wir entwickeln dann mit Ihnen gemeinsam ein angemessenes Heil- und Kostenkonzept.

